Das LG G6 war eines der Highlights des diesjährigen MWC. Wir konnten auf der Messe bereits einen Blick auf das Gerät werfen und verraten, worauf sich die Techwelt freuen darf. Im Vergleich zum Vorjahresmodell ist vieles neu, soviel vorweg.

Werfen wir einen Blick zurück in das Jahr 2016: Anfang des vergangenen Jahres zeigte LG auf dem Mobile World Congress das LG G5 – und sorgte damit für Furore. Das modulare System mit Erweiterungsmöglichkeiten durch die sogenannten „Friends“ schien auf den ersten Blick gelungen, die Fachpresse freute sich über frischen Wind in der Branche und die Endkonsumenten freuten sich auf ein neues Spielzeug. Die Enttäuschung folgte allerdings auf dem Fuße: Das LG G5 konnte den Vorschusslorbeeren kaum gerecht werden, zu unausgereift wirkte das – zugegeben interessante – Konzept bei näherer Betrachtung. Das schlug sich letztendlich auch in den Verkaufszahlen nieder, die deutlich enttäuschender ausfielen als ursprünglich erhofft.

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Alles neu macht der Januar

Ziemlich genau ein Jahr später stellte sich also die Frage, was LG diesmal in Barcelona aus dem Hut zaubern würde. Zwar stand schon im Vorfeld mehr oder weniger fest, dass wir eine Abkehr vom modularen System erleben würden, davon abgesehen gelang es dem südkoreanischen Hersteller aber, einige Geheimnisse mit bis in die katalanische Hauptstadt zu bringen. Zur offiziellen Pressekonferenz schafften wir es nicht, die war nämlich schon zur Mittagszeit des 26. Februars angesetzt. Aber: Wir konnten das LG G6 im Rahmen eines persönlichen Termins am Stand des Herstellers ausführlich unter die Lupe nehmen und fassen nachfolgend zusammen, wie uns das neue Flaggschiff auf den ersten Blick gefallen hat.

Kein Snapdragon 835

Die nackten Daten zu Beginn: LG setzt gezwungenermaßen auf die Leistung des Snapdragon 821; Samsung und Sony konnten sich vorerst exklusiv die ersten Margen des neueren Snapdragon 835 sichern. Das ist zwar ein wenig schade, garantiert LG aber, dass ausreichend Stückzahlen vorhanden sind und hinsichtlich der Leistung ist das ohnehin kein Beinbruch. Der 821er ist immerhin noch nicht alt und gehört außerdem noch zur Speerspitze der aktuellen Chip-Generation. 4 GB RAM sind im High End-Bereich mittlerweile Standard, 32 GB interner Speicher zwar nicht die Welt, angesichts des verbauten microSD-Slots aber verschmerzbar.

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5,7 auf 5,2 Zoll

Der Unterbau entspricht also dem erwarteten Standard, während das Display und die Kamera das LG G6 von der Masse abheben sollen. Und tatsächlich: Den südkoreanischen Tüftlern ist es gelungen, ein 5,7 Zoll-IPS-LCD-Panel im 18:9-Format in das Gehäuse zu integrieren, während so gut wie alle anderen Konkurrenzmodelle ein 16:9-Display aufweisen. Das hat zur Folge, dass das LG G6 etwas länger wirkt und hervorragend in der Hand liegt – immerhin ist es kaum größer als ein 5,2 Zoll-Smartphone. Die Auflösung liegt bei 2.880 x 1.440 Pixel, was LG als „QHD+“ bezeichnet. Die Ecken des Bildschirms sind abgerundet; allerdings handelt es sich dabei eher um ein optisches Zugeständnis denn um ein zusätzliches technisches Feature.

Hübscher Glasquader

Das LG G6 sieht von vorne aber klasse aus, vermittelt einen sehr eleganten Eindruck und lässt sich trotz den großen Displays relativ locker mit einer Hand bedienen. Wer daran aufgrund zu kurzer Finger scheitert, kann das Multiwindow-Feature aktiveren. Damit wird das Display genau in der Mitte geteilt und es entstehen zwei identische Quadrate. Im Kameramodus geht das auch, was vor allem Instagram-Fans freuen dürfte – immerhin ist man dann nicht mehr gezwungen, die Aufnahmen manuell auf das richtige Format zu trimmen.

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Gelungene Software

Generell hat LG die Software einer Frischzellenkur unterzogen, die LG UX-Oberfläche in der Version 6.0 wirkt aufgeräumt und angenehm minimalistisch. Als Unterbau kommt Android 7.0 Nougat zum Einsatz. Performance-Tests und eine ausführliche Reise durch die zahlreichen Untermenüs konnten wir noch nicht machen, die liefern wir dann beim finalen Test nach.

Kamera und Buttons

Fehlt noch der Blick auf die Rückseite. Dort sitzt, wie bei LG üblich, der Fingerabdrucksensor, der in einen physischen Homebutton mit Druckpunkt eingelassen ist. Darüber ist die Kamera verbaut, oder besser: sind die Kameras verbaut. LG hat sich für eine Dual-Knipse entschieden mit einer 13 MP-Weitwinkel-Kamera (120 Grad) und einer zweiten 13 MP-Linse mit gewöhnlichem 71 Grad-Radius. Testfotos konnten wir auf dem Mobile World Congress keine schießen, die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Kamera lässt sich also erst im Rahmen eines ausführlichen Tests bewerten. Die Frontkamera (oder Selfie-Kamera, wie LG das nennt) bietet 5 MP bei 100 Grad Weitwinkel und einer f/2.2-Linse.

Der Akku ist mit einer Nennkapazität von 3.300 mAh auf dem Papier ausreichend bemessen, Laufzeittests lassen wir ebenfalls folgen, genauso wie alle Messwerte zu Display und Prozessor.

Ersteindruck

Der Schritt zurück scheint die richtige Entscheidung gewesen zu sein. So interessant die modulare Bauweise des Vorgängers auch war, das LG G6 wirkt im Vergleich dazu wieder deutlich weniger verspielt und klarer in Optik und Features. Ob der Verzicht auf den Snapdragon 835 Auswirkungen auf die Verkaufszahlen haben wird, lässt sich nur schwer einschätzen. Grundsätzlich sollte die Leistung aber reichen – das zeigt dann aber erst unser „richtiger“ Test.