Liebling, sie haben das Handy geschrumpft! Wie im ähnlich lautenden Film kommt  es einem vor, wenn man das neue Kompakte von Sony zum ersten Mal in Händen hält. Aber gilt Mini statt Maxi auch im Inneren?

Es ist schon lange kein Trend mehr, sondern unumstößliche Tatsache: Kleine Smartphones sind so gut wie ausgestorben. Geräte mit einer Bildschirmdiagonale von fünf Zoll und mehr dominieren den Markt. Sucht man unter den aktuellen Telefonen, die gut in die Hosentasche passen, auch noch nach leistungsstarken Exemplaren, wird es beinahe zappenduster – nur noch eine Handvoll bieten einem die Hersteller an, darunter die iPhones 6s, 7 und SE und auf Android-Seite eben dieses hier, das Sony Xperia X Compact.

Als performanter Zwerg ist man in der Android-Welt eine echte Rarität.

Sony hat aufgrund der langen Historie ­seiner Compact-Modelle am ehesten unter allen Marken neben Apple so etwas wie Verpflichtung, eine Tradition zu wahren. Etwas verwunderlich war es nun doch, dass auf der IFA in Berlin ein neues Bonsai-Telefon für kleine Hände und enge Jeanshosen vorgestellt wurde, denn die zuletzt präsentierte X-Familie schien mit drei Geräte komplettiert – auch wenn alle drei die gleiche Display-Größe (fünf Zoll) aufwiesen. Froh sind wir und sicher auch viele potenzielle Kunden, dass die Idee das handlichen Smartphones bei Sony noch nicht ad acta gelegt wurde.

Eine Handvoll Handy

Was die Abmessungen anbelangt, hat sich im Vergleich zu Sonys Z5 Compact (dem bis dato letzten Kompakten der Japaner) kaum ­etwas getan: Bei gleicher Breite zwei Millimeter mehr in der Höhe und 0,6 Millimeter in der Dicke lassen Unterschiede kaum erspüren. Die Form wurde allerdings angepasst. Wo bisher Ecken und Kanten dominierten, ist nun alles runder. Das Display-Glas auf der Vorderseite fällt seitlich ab und wird vom gewölbten Kunststoffrahmen aufgenommen, der wiederum seinen Schwung über einen sanften Verlauf an das Rückteil weitergibt. In der Hand wirkt das Telefon deshalb noch kleiner als es ist. Es schmiegt sich vorbildlich an die haltenden Finger an. Wermutstropfen ist dagegen das verwendete Material. Der Kunststoff wirkt nicht besonders hochwertig, seine glatte Oberfläche ist Zeuge eines jeden Fingerabdruckschmierers und hat zur Folge, dass das Telefon sehr rutschig ist. Im Punkt Materialgüte ist der Vorgänger deutlich nobler ausgestattet und trägt so seine Oberklasseherkunft auch sichtbar nach außen. Leider ging beim „Outfit-Wechsel“ auch die Wasserdichtigkeit baden, was eingefleischte Sony-Fans betrüben könnte. Immerhin hat der Plastikeinsatz im X Compact eine leichte Gewichtsreduktion von drei Gramm zur Folge.

Snapdragon 650 + 3 GB RAM

Lenken wird den Blick auf die Hardware im Inneren: Der populäre Snapdragon 650-Prozessor befeuert im Augenblick viele Geräte der oberen Mittelklasse und ist auch für ein Handy, das sich zur Top-Riege zählen möchte, nicht zu schwach. Vor allem, weil hier das Rechenzentrum nicht ein gigantisch auflösendes Pixelmonstrum mit Daten bedienen muss – denn auf dem sehr hellen 4,6-Zoll-IPS-Schirm tummeln sich „nur“ 1.280 x 720 Bildpunkte, die aber aufgrund der überschaubaren Display-Größe für ausreichend Schärfe sorgen. So schlägt sich das Tandem aus Sechskern-Prozessor (maximal 1,8 GHz) und 3 GB großem Arbeitsspeicher in den Benchmark-Tests sehr löblich. Nur die bemerkbare Hitzeentwicklung gefiel weniger.

Entspannend ist es, zu wissen, dass das X Compact über einen alles andere als kompakten Speicher verfügt. 32 GB sind in dieser Größenkategorie so selten wie ein Milliardär in der Economy-Class. Davon sind gut 12 GB zwar bereits belegt, aber ans Löschen muss man trotzdem nicht so schnell denken.

Überraschung: die Kamera

Von den Pixeln des Displays zu jenen der Kamera. Hier war Sony nie sparsam, führte fast immer das Hersteller-Ranking an. Bei der Bildqualität hinkte man aber oft schon hinterher. Bei diesem Gerät waren wir deshalb überrascht. Trotz der 23 Megapixel gerieten die Fotos sehr sauber und detailreich und nur bei wirklich wenig Licht wurden einige Bereiche breiig und wiesen ein Bildrauschen auf. Kritik dennoch: Fokus und Auslöser sollten schneller arbeiten.

Ebenfalls ein Schritt nach vorne wurde bei der Verbindung via Kabel gemacht. Strom und Daten fließen jetzt erstmals über eine punktsymmetrische USB-C-Buchse, die falsche Andockversuche praktisch unmöglich macht.

Fazit

Sonys neuer Ober-Zwerg liegt so gut in der Hand wie ein Keks-Riegel und bietet Freunden des Kleinformats eine leistungsstarke Android-Alternative zu Apples Telefon-Riege. Prozessor-Power, Speicherplatz, Konnektivität (WLAN ac), Ausstattung und sogar die Kamera können überzeugen. Lediglich die Material-Anmutung des Bonsais ist weniger Deluxe.