Ein absolutes Spitzen-Smartphone von Asus, das haben wir noch nie in die Hände bekommen. Mit der Deluxe-Version des Zenfone 3 könnte sich das ändern. Das Phablet verlässt sich nämlich auf modernste Hardware, aber auch echte Innovationen.

Asus, seines Zeichens taiwanesischer Hersteller vornehmlich von Computer-Hardware, operiert seit einigen Jahren auch im Smartphone-Geschäft. In die erste Reihe in den Auslagen von Handy-Shops schaffte es das Unternehmen mit seinen Zenfones jedoch bislang nur selten. Mit dem Deluxe-Modell des Zenfone 3 könnte sich das ändern – wenn, ja wenn der selbstbewusste Preis von 799 Euro in der Top-Version den potenziellen Kunden einen Wechsel von Samsung und Konsorten nicht verleidet.

Doch schauen wir, was man fürs große Geld bekommt. Offensichtlich ein großes Smartphone. Das Display des Deluxe hat in der von uns getesteten Version (es gibt nämlich noch ein Deluxe 5.5, das aber deutlich sparsamer ausgerüstet wurde) eine Diagonale von 5,7 Zoll und verteilt auf der daraus resultierenden enormen Anzeigefläche immerhin 1.920 x 1.080 Pixel. Für uns verwöhnte Tester ist die Pixeldichte von dann 386 ppi fast schon wieder zweitklassig. Praktisch ist die Anzeige aber tadellos. Dank AMOLED-Technik wirken die Farben sehr kräftig und auch wenn gemessen nicht besonders hell, ziehen wir einen Punkt nur wegen der Kombination Full HD und 5,7 Zoll ab. Ein 2K-Schirm ist da einfach noch schärfer.

Groß, aber auch großartig?

Der Riese wirkt aber trotz oder wegen seiner Maße sehr zart: Mit 7,5 Millimetern ist das Gehäuse alles andere als dick und wirkt bei der Fläche noch einmal dünner. Schade ist, dass das Display-Glas nicht – gemäß aktuellem Trend – gewölbt ist. Dennoch wirkt die Gesamterscheinung sehr hochwertig, wozu vor allem der mattierte Aluminium-Body beiträgt.

Auch inwendig pflegt man den starken Auftritt. Asus setzt auf den neuesten und stärk-sten Qualcomm-Prozessor, den Snapdragon 821 mit 2 x 2,4 und 2 x 2,0 GHz Taktung, eine Adreno 530 Grafikeinheit und einen 6 GB
großen Arbeitsspeicher. Das verheißt viel Power. Die Benchmark-Testergebnisse sind auf hohem Niveau, jedoch nicht durchgehend auf dem höchstem. Für fünf Punkte in der Speed-Kategorie hat es trotzdem knapp ge­reicht. Ach ja, bei 128 GB dürfte der interne Speicher lange, lange nicht voll werden.

Schnell gefüllt

Ein weiterer Segen des Qualcomm-Prozessors ist die Schnellladetechnologie Quick Charge 3.0. Mit dem mitgelieferten Ladegerät ließ sich der Akku mit 3.000 mAh Kapazität innerhalb von 38 Minuten zur Hälfte füllen und war nach 1:40 h ganz voll. Das sind gute Bedingungen für kurze Ladekuren an der Steckdose mit großem Erfolg.

Übertragen wird der Strom übrigens per USB-C-Buchse. Das hat Bedienvorteile. Der USB-Standard 3.0 erlaubt aber darüber hinaus größere Daten- und elektrische Ströme. Hier bringt das große Zenfone 3 also alles mit, was man von einem modernen Gerät erwartet.

Laserlineal

Von einem neuen Gerät mit Spitzenanspruch erwartet man aber auch das Unerwartete, eine Kleinigkeit, die einen positiv überrascht. Da wäre zum einen der längliche Fingerprint-Scanner auf der Rückseite, mit dem man die Kamera auslösen (praktisch für Selfies) oder die Kamera-App starten kann (das hat bei uns allerdings nicht funktionieren wollen). Gut, sensationell ist das nicht, wenngleich, nicht schlecht und in puncto Design neu. Technikherzen höher schlagen lässt dagegen eine Mess-App, die Asus Laserlineal nennt. Der Laser-Autofokus der Kamera wird dabei genutzt, um Distanzen zu vermessen. Das funktioniert erstaunlich genau (wir haben Abweichungen im Bereich von 5 mm ermittelt), aber leider nur zwischen 10 und 150 Zentimetern. Damit ist eine Nutzung im Heimwerkerbereich (noch) nicht wirklich möglich. Möglicherweise wird die Funktion aber ausgebaut, wenn die dafür nötige höhere Laser-Stärke kein Sicherheitsrisiko (Augenschäden bei Benutzung durch Kinder) darstellen sollte. Aber auch so ist das „Lichtlineal“ schon eine nette Spielerei.

Gute Kamera

Wie gelesen, dient der Laser der Kamera nicht nur eben dieser, aber natürlich auch. Ihr Fokus arbeitet schnell und gut (eine wichtige Säule einer guten Knipse), der Sensor macht aber auch einen guten Job. Mit 23 Megapixeln scheint er auf dem Papier überladen, fabriziert aber sehr detailreiche Bilder und bricht mit seinen Resultaten auch bei wenig Licht nicht eklatant ein. Ein leichter Abstand zu Spitzenkameras besteht, dennoch verbuchen wir auch hier fünf Punkte.

Fazit

Schwächen hat das Zenfone 3 Deluxe keine. Alles funktioniert gut bis sehr gut. Leichte Abzüge gibt es bauartbedingt bei Haptik (weil ein Riese niemals handlich ist, auch wenn er sich gut anfühlt), Design (wegen des flachen Glases), Akku (der müsste bei der Größe auch eine Spur größer sein) und rechnerisch beim Bildschirm. Ausstattung und Kamera sind top – leider auch der Preis und nicht das Preis-Leistungs-Verhältnis.